Andacht für den Sonntag Quasimodogeniti 19.04.2020

Predigttext Jesaja 40, 26-31

26 Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat all dies geschaffen? Er führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen; seine Macht und starke Kraft ist so groß, dass nicht eins von ihnen fehlt

27 Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst: »Mein Weg ist dem HERRN verborgen, und mein Recht geht an meinem Gott vorüber«? 28 Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der HERR, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich.

29 Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden. 30 Jünglinge werden müde und matt, und Männer straucheln und fallen; 31 aber die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden. (Lutherübersetzung 2017)

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus,

Amen

Liebe Gemeinde,

der Bibeltext für den Sonntag nach Ostern und einige Verse dazu werden heute wieder geschrieben und im Internet veröffentlicht.

Wir können uns noch nicht versammeln und gemeinsam Gottesdienst feiern.

Ich mag es lieber, frei zu reden ( – es gilt das gesprochene Wort- fügt man gerne bei notierten Predigten an….)

Aber heute past das gut, denn der, dessen Predigttext für den heutigen Sonntag im Plan steht, war eher ein großer Schreiber.

Er hat in regelmässigen Abständen geschrieben, um seine Leute auf dem neuesten Stand zu halten, was sich denn gerade ändert. Und es war wohl so, daß die Menschen damals seine geschriebenen Worte ihm aus der Hand gerissen haben um sie zu lesen und zu bedenken.

Die Menschen damals mussten eine schlimme Zeit ertragen und erdulden. Mag sein, daß dieser Ausnahmezustand schon 40 Jahre oder 50 Jahre dauerte. Anders als bei uns, durften sie allerdings nicht nach Hause. Es war zu weit und bei Strafe verboten. Kontaktsperre bei Todesstrafe.

Die isolierten Menschen damals gehörten zu denen, die beim Krieg um Jerusalem zwar überlebt hatten aber von den Siegern gefangen und verschleppt wurden. Sie waren zu wichtig, als daß man sie wie andere einfach umbrachte. Sie waren Handwerker, oder konnten Lesen und Schreiben, Sprachen sprechen oder irgend etwas anderes , was für die Sieger interessant war. Und so wurden sie verschleppt und verbannt ins Reich Babylon und lebten schon lange dort. Viele auch schon verstarben dort. Die Lebenserwartung lag bei knapp 30 Jahren, da sind 40-50 Jahre Verbannung mehr als für die meisten ihr Lebensalter.

Und dennoch flackert etwas in den Herzen der Menschen , daß spürbar ist und das Leben der Menschen zunehmend erhellt und ausfüllt.

Das , was geschieht, ganz real und in der Wirklichkeit- nicht nur das religiöse Gefühl oder spirituelle Empfinden, das ganz reale , wirkliche Weltgeschehen erleben die Menschen um den Propheten als Teil der Gegenwart Gottes. Fernab der der Opfergerüche, der religiösen Formen des gemeinschaftlichen Zusammenseins und der spirituellen Gewohnheiten  alten Tempeltage. Mitten im Leben und mitten für das Leben.

Das war ganz schön gewagt. Manch einer hat vielleicht seine Zweifel gehabt. Schließlich hat man ja auch umgekehrt die fast 50jährige Katastrophe erlitten , und war da etwas auch Gottes Gegenwart  in dem , was geschah ?
Für den Propheten aber war das ganz klar. Voller Hoffnungsfreude, voller Schwung , voller Begeisterung erinnert er an die unverbrüchliche Verheißung Gottes, mit seinen Menschen unterwegs zu sein. Der Kern des Glaubens, nämlich die Nachkommensverheißung, Landverheißung und das Versprechen einer Zukunft mit Gott ( das ist das, was Segen biblisch eigentlich bedeutet) ist für den Propheten klarer und heller , als er noch vor einiger Zeit war. Und das hat für ihn ganz konkret mit der Realität der Menschen seiner Zeit zu tun.

 

Da passiert nämlich etwas, das die Situation der Menschen grundlegend verändert. Da ist jemand in der Politik, der die Ausnahmesituation beendet. Da ist jemand, der das, was früher so wertvoll war und so lange schon vorbei ist, wieder in seinen Grundfesten spürbar werden lässt, Hoffnung auf Veränderung der Gegenwart schürt.

Der mächtigste Mann der damaligen Zeit ist dabei, den König der Babylonier zu entmachten und zu besiegen. Schritt für Schritt ändert sich alles zum Besseren für die Verbannten. Mit jeder neuen Erfolgsnachricht wächst die Hoffnung auf Rückkehr, auf selbstbestimmtes Leben der Verschleppten, auf Freiheit und kulturelles , religiöses Leben, wie es dem Volk zu eigen ist. Der Höhepunkt der Bedrängnis jedenfalls ist offensichtlich lange überschritten, die Zahlen verändern sich und bald, ja bald dann geht es zurück.

( … und tatsächlich ging es dann später, wenn auch nicht ganz so bald und nicht so einfach wieder zurück, aber das ist eine andere Geschichte und auch andere Propheten sind dann am Werk)Was für ergreifende Worte der Prophet dort schreibt :

 

26 Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat all dies geschaffen? Er führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen; seine Macht und starke Kraft ist so groß, dass nicht eins von ihnen fehlt

27 Warum sprichst du denn, Jakob, und d, Israel, sagst: »Mein Weg ist dem HERRN verborgen, und mein Recht geht an meinem Gott vorüber«? 28 Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der HERR, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unerforschlich.

29 Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden. 30 Jünglinge werden müde und matt, und Männer straucheln und fallen; 31 aber die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.

 

Voller Freude und kraftstrotzend, voller Zuversicht. Ja, habt ihr wirklich gedacht, Gott schweigt ? Gott interessieren eure Wege nicht ?

Der Schöpfer der Erde ist im Schrecken und in der Begeisterung nicht fern. Menschen, die vorher mächtig, unüberwindlich und kriegerisch waren wie ein junger Babylonierkönig straucheln und verlieren an Macht ( „Männer und Jünglinge straucheln und fallen“, die auf den Herrn trauen, sich auf den Glaubenskern verlassen, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler.

 

Das Bild des erhabenen, kreisenden Adlers kannten die verschleppten Menschen in Babylon gut. So manch ein sehnsuchtsvoller Blick nach oben auf den freien und mächtigen Greifvogel hat es zu allen Menschenzeiten gegeben.

Manch einer von Ihnen und Euch hat den Vers auch als Konfirmationsspruch bekommen. Manch einem habe ich ihn aus schon bewusst ausgesucht.

Ich kenne diesen Blick auch gut. Ich liebe den Blick auf die Zugvögel. Einige der mit ausgespannten Flügel sich tragen lassenden Tiere kann man über dem Kreuz der Zionskirche auf den Bildern erkennen.

 

Ich bin erstaunt, wie mich diese uralten Worte im Buch Jesaja ansprechen.

Ich spüre Freude und Zuversicht auf eine Zeit, die sicher in einigen Teilen anders wird als sie vorher war.

Freude aber auf das, was uns als Gemeinde zusammenhält und zu den Grundbedingungen dessen gehört, was denn Gemeinde überhaupt ist.

Was ist das in unserem Glauben, das uns weiter unsere Wege ziehen lässt, was wir mitbekommen haben in unserer Geschichte und was wir weitergeben wollen und werden an die Jungen unter uns?

Ich spüre auch, wie wichtig es ist, gerade auch in solchen Situationen, die über einen hereinbrechen nicht nur genügend Schutzmasken , Handschuhe und Hygieneartikel zu haben sondern auch einen Glauben, der trägt und ebenso ein realistisches Bild der Zeit zu haben, ein Bild der Welt wie sie ist und ein festes Zutrauen auf das Ziel, auf das wir uns hinbewegen dürfen. 
Da gefällt mit das Wort von dem Adler , der sich tragen lässt, wunderbar.

Da merke ich auch wie fremd dem Volk Israel auch in seinem Glauben die goldenen selbstgegossenen Standbilder (goldene Kalb) sind, das aus dem Schmuck der Menschen gegossen ist.

Es steht, die Menschen tanzen quasi um sich selbst und das steht in einem großen Gegensatz zu den Wegworten, die Mose auf dem Berg empfängt.

Gerade in der jetzigen Zeit spüre ich, daß die Tatsache, daß sich die Sonne nicht um uns dreht auch eine religiöse Erkenntnis ist.

Wir dürfen unterwegs sein mit Hoffnung und Freude, ganz geerdet und in der Realität durch Gottes Wort und seine gnädige Beziehung zum Menschen.

Und ja, ich habe Lust auf Gottedienste, auf Begegnungen, auf den Unterricht mit unseren Jugendlichen, um mit Freude und Begeisterung das gemeinsam zu erabeiten und weiterzugeben, was eben als A und O des  des Glaubens in solchen Zeiten trägt, neu zu entdecken und in unsere Zeit zu interpretieren, was es heißt allein aus der Gnade, dem Glauben und dem Wort in den Worten der Schrift Gottes auftreibenden Wind unter den Gemeindeflügeln zu spüren und die Flügel auszubreiten um das aufgetragene Stück Weg zu bewältigen.

Ich wünsche Ihnen und Euch für die kommende Zeit viel Kraft und Durchhaltevermögen,

Ihr und Euer

Olaf Zechlin